03.10.2024
Die stille Kraft der Mitte: Was uns wirklich zusammenhält
Wie die politische Mitte zur Avantgarde einer aufgeklärten, demokratischen Gesellschaft wird und dabei den Extremismus hinter sich lässt.
Am heutigen 3. Oktober feiern wir die Deutsche Einheit - ein Symbol für Freiheit, Solidarität und überwundene Konflikte. Doch dieser Feiertag steht gerade in der heutigen Zeit vor besonderen Problemen, da er von Extremisten aus dem rechten und linken Lager instrumentalisiert wird. Wir dürfen diesen Tag aber nicht denen überlassen, die den gesellschaftlichen Diskurs und unsere bürgerliche Gesellschaft ablehnen.
Wie destruktiv populistische Kräfte wirken können, zeigen rechtsextreme Parteien, insbesondere in Thüringen. Sie blockieren politische Prozesse, spielen mit Angst und schüren Hass. Ihr Nationalismus steht im Widerspruch zu den Werten der Wiedervereinigung, die auf Freiheit, Solidarität und demokratischer Teilhabe beruht. AfD-Funktionäre geben sich als „Stimme des Volkes“, doch ihr Handeln verrät die Interessen des Volkes, indem sie die Grundlagen des Rechtsstaates und der offenen Gesellschaft angreifen. Sie stehen nicht für Einheit, sondern für Spaltung.
Auch im linken Lager sehen wir destruktive Tendenzen, wie sie sich derzeit bei den Grünen und der Linken zeigen, die sich durch interne Konflikte selbst lähmen. Linkspopulistische Kräfte lehnen das demokratische Gesellschaftssystem als Ganzes ab und tragen zur Zersplitterung und Wirkungslosigkeit
fortschrittsorientierter Kräfte bei. Ihr oft dogmatisches Auftreten verhindert einen konstruktiven Dialog und blockiert so den Weg zu echten Lösungen. Das progressive sozialliberale Lager verliert an Boden, weil es in interne Grabenkämpfe verstrickt ist und mit radikalen Ideologien von den eigentlichen Problemen abgelenkt wird.
Die Zivilgesellschaft, das Fundament unseres demokratischen Systems, ist kein gegebenes Gut, sondern eine Aufgabe. Was wir brauchen, ist eine starke Mitte, vereint im politischen Humanismus. Politischer Humanismus steht für eine offene Zivilgesellschaft, die auf rationalem Diskurs beruht, Meinungen austauscht und gemeinsam Lösungen findet. Er fordert die Bürgerinnen und Bürger auf, sich aktiv einzubringen - sei es durch Engagement in Vereinen, durch das Eintreten für die Rechte anderer oder durch den offenen Dialog mit Andersdenkenden. Kleine Schritte, die zu einer neuen, starken Zivilgesellschaft beitragen, in der Verantwortung und Partizipation keine leeren Worthülsen sind.
Hinter einer demokratischen Erneuerung, die durch ihn herbeigeführt werden kann, steht mehr als nur eine Reform der Institutionen. Sie spiegelt ein humanistisches Staatsverständnis wider, in dem die Bürgerinnen und Bürger nicht nur passiv, sondern aktiv, aufgeklärt und informiert die Gesellschaft gestalten - ähnlich dem Konzept des Citoyen. In einer solchen bürgerlichen Demokratie übernehmen die Bürgerinnen und Bürger Verantwortung für das Gemeinwohl, indem sie sich aktiv in politische Prozesse einbringen. Ob durch das Engagement in Vereinen, die Teilnahme an Diskussionsforen oder das Eintreten für die Rechte anderer - jeder Einzelne ist Teil einer gemeinsamen Gesellschaft. Eine aktive und mündige Zivilgesellschaft ist das Fundament einer krisenfesten Demokratie, die den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist.
Deshalb gilt es, gemeinsam eine starke, aufgeklärte Mitte zu stärken, die fest in den Idealen der europäischen Aufklärung verwurzelt ist. In Zeiten wachsender Unsicherheiten und Krisen kann nur eine Bürgergesellschaft, die auf Vernunft, Freiheit und Solidarität beruht, unser Gemeinwohl schützen. Es liegt an uns allen, Verantwortung zu übernehmen und durch Engagement und Dialog eine sichere und lebenswerte Zukunft zu gestalten - anstatt es Populisten, Extremisten und politischen Surrealisten zu überlassen, unsere Errungenschaften und damit auch diesen wichtigen Feiertag zu zerstören.
saschaklughardt - 17:31 @